Erhöhte Aufmerksamkeit bei Zeckenbissen: Babesiose beim Hund (Hundemalaria)
Die Babesiose beim Hund, auch als Hundemalaria bekannt, wird durch Blutparasiten verursacht, die über Zecken übertragen werden. Bleibt die Erkrankung unerkannt oder unbehandelt, kann sie für betroffene Tiere schwerwiegende Folgen haben.
Obwohl keine Melde- oder Anzeigepflicht besteht, empfiehlt das Veterinäramt des Landkreises OSL, dieser inzwischen auch in unserer Region häufiger auftretenden Krankheit besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Hauptüberträger ist die Wiesenzecke
Babesien sind mikroskopisch kleine Einzeller, die sich in den roten Blutkörperchen von Säugetieren – etwa beim Hund – vermehren und diese zerstören. Als Überträger dienen vor allem Wiesenzecken, über die die Parasiten von einem Tier zum nächsten gelangen.
Hauptüberträger ist die Wiesenzecke (Dermacentor reticulatus), die sich durch ihr charakteristisches, netzartig gemustertes Rückenschild erkennen lässt. Diese Zeckenart bevorzugt feuchte Lebensräume wie Wiesen, Waldränder oder Gewässernähe. Besonders aktiv sind sie im Frühjahr (März/April) sowie im Herbst. Nach dem Stich einer infizierten Zecke dauert es etwa 12 bis 48 Stunden, bis die Erreger auf den Hund übertragen werden. Für den Menschen besteht nach dem heutigen Kenntnisstand keine Gefahr der Ansteckung mit den Erregern der Babesiose des Hundes.
Babesiose: unbehandelt in den meisten Fällen tödlich
Durch die Zerstörung der roten Blutkörperchen kommt es zu einem verminderten Sauerstofftransport im Körper, was Organschäden – beispielsweise an Leber oder Nieren – nach sich ziehen kann.
Typischerweise treten ein bis drei Wochen nach der Infektion erste Anzeichen auf: Die Hunde entwickeln plötzlich hohes Fieber, wirken apathisch und appetitlos. Die Schleimhäute erscheinen blass, und der Urin kann sich rötlich bis bräunlich verfärben. Im weiteren Verlauf kann es zu einer Gelbfärbung der Schleimhäute kommen. Ursache ist der Abbau des freigesetzten Hämoglobins über den gelblichen Stoff Bilirubin.
In schweren Fällen kommt es zu einer massiven Zerstörung der roten Blutkörperchen, die einen Schock auslösen kann. Weitere Komplikationen wie Nierenversagen sind möglich: Dabei scheiden die Tiere entweder kaum noch Urin aus oder plötzlich sehr große Mengen, die durch Blutfarbstoff dunkel gefärbt sind.
Lagert sich Flüssigkeit in der Lunge ein (Lungenödem), zeigen die Hunde verstärkte Atmung, Husten und möglicherweise blutigen Nasenausfluss. Wird das Nervensystem betroffen, können Krampfanfälle, Lähmungen oder Koordinationsstörungen auftreten.
Bei entsprechenden Symptomen sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden, da die Babesiose unbehandelt in den meisten Fällen tödlich verläuft. Eine schnelle Diagnose und Therapie ist daher entscheidend.
Früher Behandlungsbeginn, um Folgeschäden zu vermeiden
Zur Diagnose wird dem Hund Blut entnommen und in der Regel in einem spezialisierten Labor untersucht. Der Erregernachweis erfolgt mittels Blutausstrich und/oder PCR. Die Therapie erfolgt durch die Gabe eines speziellen Medikaments, das injiziert wird. Entscheidend ist ein möglichst früher Behandlungsbeginn, um Folgeschäden zu vermeiden. Allerdings gelingt es nicht immer, alle Parasiten vollständig zu eliminieren. Bei starkem Verlust roter Blutkörperchen kann eine Bluttransfusion erforderlich sein. Begleitende Komplikationen werden entsprechend zusätzlich behandelt.
Vorsorge durch wirksamen Zeckenschutz
Da Zecken als Überträger fungieren, stellt ein wirksamer Zeckenschutz die wichtigste Vorsorgemaßnahme dar. Hierfür stehen verschiedene Präparate zur Verfügung, etwa Spot-on-Lösungen, Halsbänder oder Tabletten. Eine tierärztliche Beratung ist hierbei empfehlenswert, da frei erhältliche Produkte häufig nicht ausreichend wirksam sind.
Nach Spaziergängen sollte der Hund sorgfältig auf Zecken abgesucht werden, insbesondere während der Hauptaktivitätszeiten im Frühjahr und Herbst. Zu beachten ist, dass Wiesenzecken bereits bei Temperaturen um 5 °C aktiv sind und sogar Nachtfröste überstehen können.
Laura Schuster, Amtstierärztin und Leiterin des Amtes für Veterinärwesen, Lebensmittelüberwachung und Landwirtschaft: „Das Veterinäramt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz rät allen Hundehaltern, aufmerksam zu sein und bei Auftreten von Symptomen umgehend einen Tierarzt aufzusuchen. Nur so können eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung gewährleistet werden, um schwere gesundheitliche Schäden oder sogar den Tod des Hundes zu vermeiden. Bei Fragen, Unsicherheiten oder vorbeugenden Maßnahmen wenden Sie sich an den praktizierenden Tierarzt/die Tierärztin Ihres Vertrauens.“
Nach aktuellem Wissensstand besteht für den Menschen keine Ansteckungsgefahr durch die Erreger der Hundebabesiose. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz nimmt diese Mitteilung jedoch zum Anlass, um Bürgerinnen und Bürger erneut darauf aufmerksam zu machen, dass auch sie selbst sich nach einem Wald- und Wiesenbesuch absuchen und Symptome nach einem Zeckenbiss bei ihrem Hausarzt abklären lassen sollten. Oberspreewald-Lausitz zählt zu den FSME-Risikogebieten in Deutschland. FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine durch Zecken übertragene Infektionskrankheit, die das zentrale Nervensystem betrifft. Die Symptome können von Fieber und grippeähnlichen Symptomen bis hin zu schweren neurologischen Problemen wie Meningitis und Enzephalitis reichen. Eine Impfung ist die beste Möglichkeit, um sich vor FSME zu schützen.
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