Landrat Siegurd Heinze verabschiedet sich – Landkreis blickt auf 16 Jahre Amtszeit im Zeichen des Wandels zurück
Am 8. Mai endet die Amtszeit von Landrat Siegurd Heinze. Seit 2010 stand er an der Spitze des Landkreises Oberspreewald-Lausitz und hat in diesen 16 Jahren zentrale Entwicklungen begleitet, angestoßen und umgesetzt. „Mich hat immer gereizt, Dinge zu verändern und Entwicklungen sichtbar zu machen. Verwaltung muss für die Menschen wirken“, sagt Landrat Siegurd Heinze rückblickend.
Als er seine Amtszeit 2010 begann, stand der Landkreis finanziell unter erheblichem Druck. Hohe Defizite und eine angespannte Haushaltslage schränkten die Handlungsspielräume deutlich ein. In den ersten Jahren lag der Fokus deshalb konsequent auf der Stabilisierung der Finanzen. Durch eine stringente Haushaltsführung und klare Prioritätensetzungen gelang es, den Landkreis Schritt für Schritt zu konsolidieren und wieder finanzielle Spielräume für Investitionen zu schaffen. Diese Stabilisierung war die Grundlage für spätere Entwicklungen in Infrastruktur, Bildung und Wirtschaft. |
| Ein prägendes Thema über die gesamte Amtszeit hinweg war der Strukturwandel in der Lausitz. Dieser Wandel war und ist im Landkreis Oberspreewald-Lausitz besonders sichtbar, da große Teile der Region über Jahrzehnte vom Bergbau geprägt waren. Bereits früh wurden Transformationsprozesse begleitet, unter anderem im Zusammenhang mit der Entwicklung ehemaliger Tagebauflächen und Infrastrukturprojekten, wie der Internationalen Bauausstellung. Ein sichtbares Zeichen dieser Entwicklung stellt die Freigabe des Koschener Kanals im Jahr 2013 dar, der ein erstes Erfolgszeichen für das noch junge Lausitzer Seenland war. Die Verbindung zwischen Senftenberger See und Geierswalder See steht sinnbildlich für den Wandel von der Bergbau- zur Seenlandschaft. | |
| Auch wirtschaftlich wurde der Strukturwandel aktiv gestaltet. Der Landkreis verstand sich dabei stets als direkter Ansprechpartner für Unternehmen, mit kurzen Wegen und persönlichem Austausch. Regelmäßige Unternehmensbesuche, Wirtschaftsforen sowie der Arbeitskreis der Wirtschaftsförderer gehörten dabei ebenso zum Instrumentarium wie die gezielte Begleitung großer Projekte. Dazu zählen die Entwicklung rund um den Lausitzring in Klettwitz, Ansiedlungen im Bereich erneuerbarer Energien oder der Ausbau neuer industrieller Perspektiven im Zuge der Transformation der Region. Gleichzeitig wurde die regionale Wirtschaft über Netzwerke wie die Wirtschaftsregion Lausitz sowie Kampagnen wie „Krasse Lausitz“ aktiv in den Strukturwandel eingebunden.
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| Die wirtschaftliche Entwicklung zeigt sich dabei im gesamten Landkreis – von den industriellen Standorten in Schwarzheide und Schipkau über traditionsreiche Wirtschaftsorte wie Lauchhammer und Senftenberg bis hin zum kleinen Unternehmen in Calau, Vetschau, Ruhland oder Ortrand. Der Landkreis hat sich dabei stets als verlässlicher Partner der Wirtschaft und Landwirtschaft bewährt, der Entwicklung ermöglicht, begleitet und absichert. |
| Ein weiterer zentraler Schwerpunkt: die Bildungslandschaft im Landkreis. In den vergangenen 16 Jahren wurde die gesamte Schulinfrastruktur in Hand des Landkreises systematisch modernisiert und weiterentwickelt. Mit dem Neubau des SeeCampus Niederlausitz entstand ein modernes Schulzentrum, das weit über den Landkreis hinaus als Beispiel für modernen Bau und zeitgemäße Bildung gilt. Gleichzeitig wurden das Paul-Fahlisch-Gymnasium in Lübbenau sowie das Friedrich-Engels-Gymnasium in Senftenberg umfassend saniert und erweitert. Auch die Förderschulen sowie das Oberstufenzentrum Lausitz wurden modernisiert oder neu errichtet. | |
Zuletzt bildete im April 2026 die Grundsteinlegung für den Neubau der Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt geistige Entwicklung „Hand in Hand“ in Senftenberg einen weiteren Höhepunkt. Ergänzt wurde die Bildungsarbeit durch den Ausbau neuer Ausbildungsgänge am OSZ, insbesondere im sozialen und pädagogischen Bereich, sowie durch die konsequente Umsetzung des Digitalpakts Schule. Auch Einrichtungen wie die Volkshochschule, die Musikschule oder die SeeCampus-Bibliothek konnten als Bildungsstandorte gestärkt werden. Darüber hinaus stellte der Landkreis regelmäßig Mittel für Jugend- und Bildungsprojekte bereit, unter anderem über den Jugendförderplan des Jugendamtes sowie spezifische Programme zur sozialen Arbeit an Schulen. |
| Die vergangenen 16 Jahre waren zudem von diversen Herausforderungen geprägt. Ab 2014 stellte die Aufnahme und Integration geflüchteter Menschen den Landkreis vor große organisatorische und soziale Aufgaben. Es mussten Strukturen für Unterbringung geschaffen, Verwaltungsprozesse angepasst und Integrationsangebote aufgebaut werden. In dieser Zeit entstanden neue Zuständigkeiten, Beauftragtenstrukturen und zahlreiche Projekte, die insgesamt das Zusammenleben im Landkreis aktiv unterstützten. |
| Nur wenige Jahre später folgte mit der Corona-Pandemie eine weitere außergewöhnliche Belastungsprobe. Das Gesundheitsamt des Landkreises übernahm dabei eine zentrale Rolle – von der Organisation von Test- und Impfangeboten bis zur Umsetzung gesetzlicher Vorgaben und der Koordination kommunaler Maßnahmen. Zuletzt stellte die Afrikanische Schweinepest den Landkreis vor erhebliche Herausforderungen, insbesondere im Zusammenspiel von Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz. Durch enge Abstimmung mit den zuständigen Stellen konnten Eindämmungsmaßnahmen umgesetzt und zuletzt die erfolgreiche Eindämmung der Seuche im Kreisgebiet erzielt werden. |
| Im Bereich Gesundheit und Soziales wurden ebenfalls wichtige strukturelle Entwicklungen umgesetzt. Die Entwicklung der Klinikum Niederlausitz GmbH hin zu den Sana Kliniken Niederlausitz setzte Maßstäbe zur langfristigen Sicherung der medizinischen Versorgung. Mit der Kommunalisierung des Rettungsdienstes und der Gründung der Rettungsdienst Niederlausitz gGmbH zum 1. Januar 2024 übernahm der Landkreis zudem direkt Verantwortung für Organisation und Qualität der Notfallversorgung. Einrichtungen oder Angebote, wie der Pflegestützpunkt mit Außenstellen im gesamten Kreisgebiet, der Jugendzahnärztliche Dienst, die Suchtberatung mit Selbsthilfegruppen, die Interdisziplinäre Frühförderung, die Kinderschutzkoordination oder der FamilienCampus Lausitz wurden kontinuierlich weiterentwickelt und gestärkt – mit positiven Auswirkungen für die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger in OSL. | |
| Unterstützt wurden unter anderem Frauenhäuser, Mehrgenerationenhäuser und Integrationswerkstätten. Es wurden Beauftragte für Inklusion und Integration etabliert, Beiräte eingesetzt und zahlreiche Projekte initiiert, etwa Nachbarschaftsfeste, Frauenwochen oder inklusive Veranstaltungen. Der Kreisseniorenrat sowie Veranstaltungen zur Gesundheitsförderung und Pflege stärkten zusätzlich den sozialen Zusammenhalt. |
| Im Bereich Infrastruktur konnten ebenso sichtbare Verbesserungen erzielt werden. Kreisstraßen - von Nord bis Süd – wurden saniert und ausgebaut, unter anderem in Ortrand, Ruhland, Schwarzheide, Großräschen, Senftenberg, Lübbenau/Spreewald und Lauchhammer. Der öffentliche Personennahverkehr wurde gemeinsam mit der kreiseigenen Verkehrsgesellschaft weiterentwickelt und über den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg abgestimmt. Auch hier steuert der Landkreis zuletzt auf die Kommunalisierung des ÖPNV zu. Das Ziel, den Busverkehr im Kreisgebiet komplett in Landkreishand anzubieten – von Verwaltung über Fahrzeuge bis hin zu Busfahrpersonal – wurde mit mehreren Entscheidungen im Kreistag auf den Weg gebracht. Im August 2027 soll die Betriebsaufnahme erfolgen. |
| Parallel wurde der Breitbandausbau (mit insgesamt rund 75 Millionen Euro Fördermitteln von Land und Bund) im gesamten Landkreis intensiv vorangetrieben. Auch im Bereich Feuerwehr und Katastrophenschutz konnten Fortschritte erzielt werden: neue Rettungswachen entstanden, das Feuerwehr- und Katastrophenschutztechnische Zentrum in Großräschen wurde ausgebaut und ein umfassendes Sirenenkonzept umgesetzt. Kulturell und touristisch entwickelte sich der Landkreis ebenfalls kontinuierlich weiter. Veranstaltungen wie das Kreiserntefest, die Tour de OSL, Regionalmärkte oder offene Ateliers prägen das kulturelle Leben ebenso wie die Museen in Senftenberg, Lübbenau und Lehde oder das Theater „neue Bühne Senftenberg“ – Angebote, die über die Kreisgrenzen hinaus Menschen anlocken und begeistern. Der Ausbau des Radwegenetzes und neuer touristischer Routen hat den Landkreis zusätzlich als Destination im Seenland und Spreewald gestärkt. Auch sorbische und wendische Traditionen wurden aktiv gefördert und durch eigene Strukturen begleitet. |
| Ein wesentliches Element der Amtszeit von Landrat Siegurd Heinze war die enge Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden im gesamten Landkreis. Regelmäßige Abstimmungen mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie die enge Kooperation mit Landesbehörden und Partnern bildeten die Grundlage für viele Entscheidungen und Entwicklungen. Die Zusammenarbeit und das konstruktive Miteinander in der „kommunalen Familie“, wie Landrat Heinze sie nannte, haben zum erfolgreichen Planen und Verwirklichen von Projekten, wie zum Beispiel der Einrichtung der Katastrophenschutzleuchttürme im Jahr 2025, beigetragen. | |
| Auf politischer Ebene blickt der Landkreis auf 16 Jahre fachlichen Diskurs zurück. In der Amtszeit von Landrat Heinze wurden in 183 Sitzungen insgesamt mehr als 2.420 Beschlüsse gefasst – ein Ausdruck für die kontinuierliche Arbeit zwischen Kreistag, Verwaltung und den Städten und Gemeinden im gesamten Landkreis. |
| Nach insgesamt mehr als drei Jahrzehnten in der Kommunalpolitik – davon 16 Jahren als Landrat des Landkreises OSL – endet die Amtszeit von Siegurd Heinze. „Landrat zu sein war für mich Ehre und Verpflichtung zugleich. Ich danke den Bürgerinnen und Bürgern, meinen Kolleginnen und Kollegen, dem Team der Kreisverwaltung OSL und allen, mit denen ich in mehreren Jahrzehnten zusammenarbeiten durfte, für das entgegengebrachte Vertrauen“, sagt er. Gleichzeitig richtet er den Blick nach vorn: „Ich freue mich auf die Zeit mit meiner Familie und auf das, was jetzt kommt.“ | |














